Nach rund 100 Tagen neuer Legislatur der Gossauer Kommunalbehörden mit bereits sechs Gemeinderatssitzungen und total 43 Gemeinderatsbeschlüssen ist ein guter Zeitpunkt für ein paar Worte des Gemeindepräsidenten.

Amtsantritt in Gossau

Was hat dich seit deinem Amtsantritt am meisten überrascht?

Daniel Wäfler: Wie viele positive Wünsche von Bürgerinnen und Bürgern bei verschiedenen Gelegenheiten mit auf den Weg gegeben werden. Finde ich eine sehr grosse Unterstützung, herzlichen Dank!

Gibt es bereits ein Ereignis, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Da wären einige aber speziell die schöne 1. Augustfeier, zwar aufgrund der Trockenheit ohne Feuer aber trotzdem sehr eindrücklich und die Volksfeststimmung an der Eröffnungsfeier des Leue im Gossauer Unterdorf. Es war schön, so viele freudige Gesichter zu sehen. 

Was hast du in den ersten 100 Tagen über die Gemeinde gelernt, was du vorher nicht wusstest?

Da habe ich einiges gelernt und lerne jeden Tag neues dazu. Dass wir die Schweizermeisterschaften in Karate in Gossau haben, sind ein Beispiel dafür.

Persönliche Eindrücke

Wie hat sich dein Alltag seit der Wahl verändert?

Meine Tagesstruktur hat sich verändert und die Gemeinde Gossau mit der Bevölkerung steht nun jeden Morgen bis zum Abend im Zentrum meiner Tätigkeiten. Wenn mich Jugendliche im Bus mit Gemeindepräsident ansprechen, dann merke ich, dass ich wohl schon nicht mehr ganz so jung bin und welche Bedeutung und Vorbildfunktion das Amt gerade für die Jungen hat.

Was bereitet dir an deinem Amt und Ressort besonders Freude?

Der Kontakt mit verschiedenen Menschen und das Arbeiten an unterschiedlichen Themen, immer mit dem Ziel gute Lösungen im Gesamtrahmen für die Gemeinde und die Bevölkerung zu finden. So hat mir die Ansprache an der Hauptübung der Feuerwehr sehr grosse Freude gemacht, wo sich engagierte Bürgerinnen und Bürger für uns einsetzen und ich es verdanken konnte. 

Wer oder was hat dir den Einstieg ins Amt erleichtert?

Der Rückhalt in meinem privaten Umfeld, aber auch die gute Stimmung im neuen Gemeinderat und die gute Vorbereitung der neuen Legislatur seitens der Verwaltung.

Zusammenarbeit und Ziele

Welche Anliegen beschäftigen euch besonders?

Viele Anliegen beschäftigen in den einzelnen Ressorts oder auch den Gesamtgemeinderat, aber die drängendsten Probleme sind sicher mit der Sanierung der Grütstrasse im Zentrum von Gossau-Dorf verbunden und die Herausforderungen mit dem künftigen Finanzhaushalt. Denn mit der Wiedereröffnung der Grütstrasse im Zentrum von Gossau-Dorf Ende 2026 wird die Innerortsstrecke mit Tempo 30 signalisiert, was neben der Lärmreduktion aber auch zur Verlangsamung von Verkehr und der VZO-Busse führt. Jede Verlangsamung auf Hauptachsen bringt mehr Ausweichverkehr durch die Quartiere und behindert den öffentlichen Busverkehr. In Gossau-Dorf ist nun für Tempo 30 gebaut. Wenn die Grüninger-/Grütstrasse im Grüt saniert wird, haben wir jedoch die Chance, aus den Erfahrungen vom Gossauer Unterdorf zu lernen und Verbesserungen massgeschneidert umzusetzen.

Was konntet ihr bereits anstossen?

Da wurde schon einiges angestossen. So galt es bereits in der ersten Woche, ein Feuerverbot zu verfügen, welches in der Dürrezeit dazu beitrug, Schlimmeres zu verhindern. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön für die Einhaltung des Verbots und das damit verbundene Vertrauen in die Behörden.

Von der Tragweite her ist sicherlich die Neuüberprüfung der Sanierung des Schulhaus Rooswis ein wichtiger Anstoss, aber auch das Herangehen an die Umsetzung der Schuldenbremse mit diversen Aspekten in allen Ressorts. Trotz spätem Einstieg in den Budgetprozess ab 1. Juli hat die Rechnungsprüfungskommission pünktlich den Budgetvorschlag 2027 bekommen. Mit der in aller Deutlichkeit vom Stimmvolk angenommenen Schuldenbremse gibt es einen Schutz vor übereilten Ausgaben, aber auch die Folgen von Ausgaben werden nachhaltiger und sind immer zweimal zu überdenken.

Daniel Wäfler
Gemeindepräsident und Ressortvorsteher Präsidiales

«Ich freue mich, die anstehenden Herausforderungen mit einem starken Team aus Gemeinderat und Verwaltungsleitung anzupacken.»

Wenn ihr als Gesamtgemeinderat in vier Jahren zurückblickt: was möchtet ihr erreicht haben?

Die Klausur und die Legislaturziele stehen noch bevor, aber so viel schon aus meiner Sicht. Bis in vier Jahren möchten wir für Gossau eine noch modernere und massgeschneiderte Kommunikation für amtliche Mitteilungen aber auch das Dorf- und Vereinsleben. Dies verbunden mit stabilen Finanzen und einer noch engeren Vernetzung von Schule und Gemeindeverwaltung zu einer wirklich gelebten Einheitsgemeinde. 

Wie erarbeitet ihr die Strategie und die Legislaturziele, und wie setzt ihr dabei Prioritäten?

Mit dem Budget 2027 werden der Gemeinderat und die Gossauer Behörden das erste wirkliche «Schuldenbremse-Budget» als Auftrag bekommen und damit auch ins erste ganze Jahr der neuen Legislatur starten. Im Januar und März 2027 führen Gemeinderat und Verwaltungsleitung intensive Klausuren durch, um die langfristige Strategie zu definieren und die Legislaturziele zu erarbeiten. Die vertiefte Analyse und der Zeitaufwand sind notwendig, um den grossen politischen Auftrag auch in die Praxis umsetzen zu können. Im Frühjahr 2027 informieren wir genauer darüber. So viel sei schon verraten; die Wachtenabende sind nicht in Vergessenheit geraten, aber kommen allenfalls in einem neuen Format daher. Auch dazu kommunizieren wir zu gegebener Zeit erneut. 

Was wünschst du dir von der Bevölkerung für eine gute Zusammenarbeit?

Mir ist es wichtig, offen über Probleme zu reden statt der Faust im Sack. In diesem Sinne wünsche ich mir konstruktive Rückmeldungen sowie Ideen zur Verbesserung und Entwicklung unserer Gemeinde. Diesen Austausch möchte ich auch wirklich leben und nicht erst vor den nächsten Wahlen die Menschen abholen, sondern in einem echten Miteinander zugunsten der Gemeinde und ihrer Bevölkerung. 

Entweder / Oder

  1. Papieragenda oder digitale Agenda?
    Im Moment noch beides

  2. Frühaufsteher oder Nachteule?
    Eher Frühaufsteher mit einem starken Kaffee

  3. Berg oder See?
    Berg am See wie Melchseefrutt oder Göschener Alpsee

  4. Zuhause kochen oder auswärts essen?
    Zum selbst kochen reicht die Zeit nicht mehr, daher esse ich gerne zuhause, wenn meine Frau kocht, aber auch auswärts mit Blick auf die Gossauer Restaurants